#10minBlog: Gewaltfreie Kommunikation

#10minBlog: Gewaltfreie Kommunikation

Ich habe gestern über „Frau und Mann“ geschrieben. Wie mein Artikel zum Feminismus an manchen Stellen zeigt, benutzen wir im Alltag oft „Wolfssprache“. So nennt Marshall Rosenberg, der Erfinder der GFK, unsere Art der Kommunikation, wenn wir andere anschuldigen, verallgemeinern, einseitige Forderungen stellen und unserem Gegenüber nicht gut genug zuhören. Was wir dann auch nicht tun, ist bei uns selbst einzukehren. Zuerst in uns selbst hinein zu horchen, was uns an bestimmten Dingen denn genau stört und vor allem, was wir wollen. Das Eingangstor zu unseren Wünschen sind unsere Gefühle, die wiederum unsere Bedürfnisse sichtbar machen. Als Pendant zur Wolfssprache, hat er die Giraffensprache entwickelt. Giraffe, weil diese Tiere durch ihren langen Hals ein so großes Herz haben, um auch ihr Gehirn noch mit Sauerstoff versorgen zu können. Und so ist diese Art der Kommunikation die Sprache des Herzens, in der wir auch unser Gehirn bewusst einschalten. Das Modell der Gewaltfreien Kommunikation begleitet mich nun seit 8 Jahren. Kennengelernt habe ich sie in meiner Mediationsausbildung. In Coachings und Trainings ist sie für mich ein wesentlicher Methodenbaustein. Und auch in meinem privaten Umfeld ist sie ein großer Gewinn. Auch wenn mein Mann meint, dass ich eine Konflikttheoretikerin sei, gelingt es mir sehr viel besser als früher, meine eigenen Bedürfnisse in einem Konflikt zu erkennen und schneller Lösungen zu entwickeln. Es hilft mir ebenfalls in Situationen, in denen ich mich angegriffen fühle. Ich kann besser dechiffrieren, was andere mir möglicherweise eigentlich sagen wollen. Früher hat es mich z.B. total fertiggemacht, wenn mich fremde Menschen auf der Straße angepöbelt haben, weil ich auf dem Fahrradweg zu wenig Platz lasse, zu langsam bin, zu schnell oder überhaupt einfach da bin. Das habe ich oft sehr persönlich genommen. Jetzt denke ich mir: „ Ok, Du gerade ungehobelter Mensch – du fühlst dich unsicher, wenn dir jemand zu dicht drauffährt, du hast Angst dich zu verletzen. Brauchst du mehr Freiheit oder Kontrolle? Magst du nicht gerne zu spät kommen? Es hilft – enorm! Probiere es selbst aus, an dir selbst und für andere. Du wirst merken, wie erhellend es ist und wie schnell du wieder runterkommen wirst. Am Anfang ist es nicht ganz einfach, die vier Schritte richtig zu formulieren. Man gleitet doch schnell in die altbekannte Wolfssprache ab. Aber Übung macht die Giraffe!

Die vier Schritte der Gewaltfreien Kommunikation

  1. Beobachtung statt Bewertung
  2. Gefühl statt Schuldzuweisung
  3. Bedürfnisse statt Positionen oder Strategien
  4. Bitte statt Forderungen.

Für eine ausführlichere Anleitung, steht hier mein Infoblatt zum download bereit: Gewaltfreie_Kommunikation

Der #10minBlog ist eine Initiative von Maren Martschenko. Ziel ist es in 10 Minuten einfach alles runterzuschreiben, was mir zu einem Thema einfällt. Ich wähle Themen aus, die mich gerade am meisten beschäftigen – nah, authentisch, wahr. Ohne lange Korrekturphasen und Verschönerungssequenzen, um endlich ins TUN zu kommen. Wenn ihr euch Beiträge zu Themen von mir wünscht schreibt mir!