#10minBlog: Brauchen wir noch Feministinnen?

#10minBlog: Brauchen wir noch Feministinnen?

Auf geht´s: mein erster #10minBlog. Morgen erzähle ich mehr, wie ich dazu kam und was das genau ist. Heute ist mir ein wichtiges Thema über die Füße gelaufen, mit dem ich gleich starten möchte. Aber noch eins vorab – ich schreibe in 10 Minuten einfach runter, was mich für heute am meisten beschäftigt. Ohne lange Korrekturphasen und Verschönerungssequenzen. Das gehört jetzt einfach mal dazu – muss ich mir selbst sagen…

Auf dem heutigen mompreneurs Netzwerktreffen ging es um das Thema Empowerment von Frauen. Unter dem Titel “Als Frau erfolgreich sein – Change the game and win the lead” wurden Fragen diskutiert, wie Frauen es schaffen können in Führung zu gehen und wie wir das Spiel zu unseren Gunsten verändern können. Ich würde mich nicht als eingefleischte Feministin bezeichnen, aber zunehmend werde ich dazu. Ein Grund der dazu beiträgt ist meine Tochter, die mir manchmal unbewusst, aber doch unangenehm den Spiegel vorhält. Eine kleine Anekdote aus unserem Familienleben macht das wunderbar deutlich. In einem schwierigen Moment, an dem ich wohl ziemlich genervt sein musste von der Beteiligung meines Mannes am Haushalt und wahrscheinlich auch im Allgemeinen, ist mir im Beisein meiner 10-jährigen Tochter rausgerutscht, dass ich finde, das Männer zu überhaupt Nichts zu gebrauchen sind. Meine Tochter hat wissend gegrinst und meinte: „Doch zum Geldverdienen“, worauf ich ihr (zugegebenermaßen ziemlich hilflos und pädagogisch nicht anwandtfrei) erklärte, dass sie ja auch dafür nicht immer zu gebrauchen seien und sie sich in keinem Fall darauf verlassen sollte. Ich war geschockt und getroffen, dass meine ansonsten sehr gendersensible Tochter, die großen Wert darauflegt, dass es Arzt und Ärztin und Erzieher und Erzieherin usw. heißt., im Begriff ist, mit solch einem Frauen-Anfängerfehler ins Leben zu starten. Das hat mich sehr nachdenklich gemacht. Hatte ich meine Tochter nicht genügend auf die Welt als Frau vorbereitet? Als Rolemodel hatte ich anscheinend versagt, obwohl ich auch immer irgendwie gearbeitet habe und mein Mann und ich seit drei Jahren (fast) alles paritätisch aufteilen. Ich sah dringenden Bedarf für ein Gespräch von Frau zu Frau, das in Kurzform folgenden Inhalt hatte: Bleib unabhängig, verdien dein eigenes Geld (und zwar soviel wie die Männer) und teilt euch Kindererziehung und Haushalt, wenn möglich gleichberechtigt auf. Ansonsten nimm dir einen Haushälter oder eine Putzfrau. Mach, was dir Spaß macht und denk an deine Rente. Ich glaube, sie fand es interessant – vor allem, dass Frauen das gleiche verdienen sollten und sich eine ganze Bewegung namens Equalpayday (seit Jahren!!) darum bemüht. Sie hat dabei auch gespürt, dass noch vieles zu tun ist, obwohl die Gleichberechtigung von Frauen doch endlich mal ein alter Hut sein sollte. Da ich eh schon an Fahrt aufgenommen hatte, habe ich beim Abendessen meinen 14-jährigen Sohn zu dem Thema interviewt, wie er zur Gleichberechtigung und Aufteilung von Haushalt, Kinder, Arbeit stehe. Denn die Jungs müssen dabei ja auch gleichberechtigt mitmachen wollen. Es hat mich mit Stolz erfüllt, wie schön gleichmäßig aufgeteilt er alles haben möchte. Wirklich toll. Aber wer bleibt bei den Kindern, wenn sie klein sind? Stille. Wilde Diskussionen zwischen Tochter und Sohn. Am Ende die einhellige Meinung: Erstmal die Mama.

Finde ich auch, aber dazu braucht es noch viele strukturelle und gesellschaftliche Lösungen, damit beides wirklich gut zusammengeht! Und Männer und Frauen, die zusammenhalten und sich gegenseitig Platz lassen. Dafür braucht es (auch) Feminismus. Und der fängt im kleinen zu Hause an.